Jürg Vollmer, Journalist

Jürg Vollmer, Journalist

Die Pioniere des Funding Journalism

Die Geschichte des Funding Journalism beginnt im Oktober 2007 mit der Gründung der Stiftung Pro Publica, deren 24 Journalisten aufwändige Hintergrundbeiträge über Politik und Wirtschaft recherchieren, die sich die Medien nicht mehr leisten können oder wollen. Im Mai 2009 startet maiak – The Newsroom of Eastern Europe auf dem alten Kontinent als Pionier des Funding Journalism, einem von Mäzenen finanzierten unabhängigen Journalismus.

ProPublica, Logo Ausschnitt 133 px

ProPublica, Logo Ausschnitt 133 px

Eines sei vorausgeschickt: Das Mäzenatentum unterscheidet sich grundlegend vom Sponsoring, weil ihm keinerlei geschäftliche Nutzenerwartung des Mäzen zugrunde liegen. Viele Mäzene legen sogar Wert darauf, ungenannt zu bleiben.

Einer der ersten Mäzene – dessen Name für alle Zeiten mit dem altruistischen Handeln verbunden sein wird – war der Römer Gaius Cilnius Maecenas, der in augusteischer Zeit Dichter wie Vergil, Properz und Horaz förderte.

Das Logo von Pro Publica

Oktober 2007: Pro Publica

Die Geschichte des Funding Journalism beginnt im Oktober 2007, als der kalifornische Immobilien-Milliardär Herbert Sandler die Stiftung Pro Publica gründete. Mit einem Jahresbudget von 10 Mio. Dollar kann Paul E. Steiger, Ex-Chefredakteur des “Wall Street Journal”, mit 24 Journalisten aufwändige Hintergrundbeiträge über Politik und Wirtschaft recherchieren, die sich die Medien nicht mehr leisten können oder wollen.

Diese Stories stellt Pro Publica jeweils einer Redaktion exklusiv und kostenlos zur Verfügung, danach werden sie nach dem Open-Source-Prinzip allen anderen Medien angeboten.

Dezember 2008: Spot.us

Der Journalist David Cohn begründete im Dezember 2008 eine bürgernahe Form des Funding Journalism, das Crowd Funding. Auf der Website spot.us machen Journalisten Themenvorschläge, welche Leser mit Kleinspenden bis 200 Dollar unterstützen können.

Wenn die nötige Summe von 500 bis 2′500 Dollar beisammen ist, recherchieren und schreiben die Journalisten die Story und bieten sie nach dem Open-Source-Prinzip kostenlos anderen Medien an. So entstehen Stories, die ohne Crowd Funding nicht recherchiert, geschrieben und publiziert worden wäre.

Das maiak-Logo mit Claim

Mai 2009: maiak – The Newsroom of Eastern Europe

In Europa übernimmt maiak – The Newsroom of Eastern Europe am 1. Mai 2009 als Pionier die Idee des des spendenfinanzierten Journalismus in der Variante des Investigative Fund. Der Gründer und Chefredakteur, Jürg Vollmer, kombiniert das Prinzip des Funding Journalism mit dem ebenfalls neuen Social Media Newsroom – immer mit dem Fokus auf Osteuropa.

Die fertigen Reportagen, Analysen, Porträts etc. werden in Form von Dossiers in maiak publiziert und über den eigenen Social Media Newsroom nach dem Open-Source-Prinzip kostenlos den Medien angeboten.

Das Budget von maiak ist kleiner als jenes der US-Vorbilder, die Ziele aber dieselben: Die Finanzierung von Recherchen von Hintergrundbeiträgen, mit denen die Qualität der (Osteuropa-)Berichterstattung in den Medien markant verbessert werden soll. In der Selbstbeschreibung von maiak – The Newsroom of Eastern Europe:

  • maiak vermittelt mit kompetenten Autoren ein vielschichtiges und differenziertes Bild von Osteuropa.
  • maiak ermöglicht unabhängige Recherchen für Hintergrundberichte über Osteuropa, die in Form von Dossiers mit mehreren Beiträgen zu einem Thema publiziert werden. Die Recherchen werden durch einen Trägerverein bestehend aus unabhängigen schweizerischen Organisationen und Persönlichkeiten finanziert.
  • maiak stellt in seinem Social Media Newsroom den deutschsprachigen Medien exklusive Texte und Fotos nach dem Open-Source-Prinzip honorarfrei zur Verfügung. Die maiak-Website ist ein virtuelles “Pressebüro“, in dem Redaktionen alle Texte, Fotos, Audio- und Videobeiträge honorarfrei downloaden können.

Herbst 2009: Huffington Post Investigative Fund

Schon im März 2009 kündete die Nachrichten-Plattform Huffington Post ihren mit 1,75 Mio. Dollar dotierten Huffington Post Investigative Fund an, für den zehn Journalisten und ein Netz freier Journalisten schwergewichtig über Wirtschaftsthemen recherchieren und schreiben sollen.

Der Huffington Post Investigative Fund wird aber erst im Herbst 2009 aktiv werden und die fertigen Stories zuerst in der Huffington Post publizieren, später dann nach dem Open-Source-Prinzip kostenlos anderen Medien anbieten.

Herbst 2009: Bureau of Investigative Journalism

Am 5. Juni 2009 wurde in London der Investigations Fund gegründet, der kurz darauf von der Potter Foundation des Philantropen-Ehepaars Elaine und David Potter 2,3 Mio. Euro erhielt, um damit ein neues Bureau of Investigative Journalism BIJ zu finanzieren. Das BIJ soll Reporter bei den Recherchen finanziell und ideell unterstützen.

“Unser Ziel ist es, investigativen Journalismus zu ermöglichen, der höchsten ethischen Kriterien entspricht”, erklärte die Ex-”Sunday Times”-Journalistin Elaine Potter. Das BIJ wird vom Centre for Investigative Journalism CIJ an der Londoner City University betreut und zählt auf die Mitarbeit prominenter Schreiber wie Nick Davies und Seymour Hersh.

Im Herbst 2009 will das Bureau of Investigative Journalism die ersten zwei Journalisten als Vollzeitkräfte einstellen. Das BIJ wird die spendenfinanzierten Stories – im Gegensatz zum honorarfreien Creative Commons-Modell von maiak und den US-Vorbildern – an Zeitungen und Magazine verkaufen und sich damit langfristig selbst finanzieren.

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